NRL-Jahresrückblick 2023: Herausforderungen und Meilensteine

Mike Blicker, der Projektkoordinator des Norddeutschen Reallabors (NRL) blickt zurück auf das Jahr 2023: Vor welchen Herausforderungen das NRL stand und wie es mit dem Bau von Elektrolyseuren weitergeht.
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Projektkoordinator Mike Blicker mit Vertretern der Projektsteuerungsgruppe des NRL, v.l.n.r.: Mike Blicker (CC4E/HAW Hamburg), Detlev Wösten (H&R Ölwerke Schindler), Matthias Boxberger (HanseWerk), Christian Heine (Hamburger Energiewerke), Prof. Dr. Hans Schäfers (CC4E/HAW Hamburg) und Thomas Murche (WEMAG AG). Foto: Frank Molter/NRL.

Autor: Mike Blicker, Projektkoordinator Norddeutsches Reallabor

2023 war – im Guten wie im Schlechten – ein ereignisreiches Jahr für das Norddeutsche Reallabor. Wir haben Professor Beba verloren, aber als Projektkonsortium Stärke und Zusammenhalt bewiesen. Einige Projekte hatten mit den Herausforderungen von Energiekrise und Inflation zu kämpfen, aber es wurden neue Wege gefunden, um die geplanten Vorhaben dennoch zu realisieren. Eingestellt werden musste allerdings die Arbeit am saisonalen Aquiferwärmespeicher – aber auch solche Rückschläge gehören zu einem großen Forschungsprojekt dazu. Denn wir konnten im vergangenen Jahr einige Meilensteine verbuchen.

Fortschritte beim Aufbau von Elektrolysekapazitäten

So schreitet der Aufbau regionaler Elektrolysekapazitäten für die Erzeugung von grünem Wasserstoff in unserer Projektregion voran: Für einen 1-MW-Elektrolyseur der Stadtreinigung Hamburg am Standort des Biogas- und Kompostwerkes Bützberg ist inzwischen ein Hersteller gefunden und die Anlage ist bestellt. Hier soll Wasserstoff in der Bioabfallvergärung eingesetzt werden, um die Ausbeute an Biogas zu steigern. Der Genehmigungsantrag der HAzwei GmbH für einen 25-MW-Groß-Elektrolyseur im Hamburger Hafen, der die ansässige Industrie mit Wasserstoff versorgen soll, wurde ebenfalls eingereicht und wichtige Komponenten vorbereitet. 

Auch die WEMAG wird im Rahmen des Norddeutschen Reallabors einen Elektrolyseur errichten. Als Standort wurde Leizen bei Plau am See ausgewählt und die Planungen deutlich präzisiert. Anfang November ging außerdem das Elektrolyseurtestfeld des Fraunhofer IWES – das Hydrogen Lab Bremerhaven – in Betrieb, das ebenfalls mit dem NRL assoziiert ist.

Vorbereitung eines Anodenofens bei Aurubis und Abfallsammelfahrzeuge

Auf der Abnehmerseite für Wasserstoff bereitet zum Beispiel Aurubis nach Vorarbeiten im Rahmen des Norddeutschen Reallabors den Umbau eines Anodenofens vor und wird diesen im kommenden Jahr umsetzen, um diesen Prozessschritt künftig klimaneutral betreiben zu können. Auch hat die Stadtreinigung Hamburg im Sommer dieses Jahres zwei Brennstoffzellen-Abfallsammelfahrzeuge in Betrieb genommen. Bis 2026 werden alle Referenzanlagen des NRLs in Betrieb gehen.

2023 auch Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse

Auch die Forschungsvorhaben zu den Querschnittsthemen haben im vergangenen Jahr wichtige Ergebnisse produziert. Dabei stand insbesondere das Teilvorhaben 5.1 mit seiner Studienreihe zu Potentialen, Grenzen und Prioritäten von grünem Wasserstoff im Fokus, aber auch im regulatorischen Bereich sowie im Bereich Sustainable Finance sind wichtige Paper veröffentlicht worden.

Präsenz-Veranstaltungen stärken Spirit im Projekt

Neben konkreten Meilensteinen war in 2023 aber noch eine andere Sache prägend: Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie waren wieder Treffen in größerer Runde ohne Unbehagen möglich. Wir haben das im Norddeutschen Reallabor intensiv genutzt, insbesondere durch den Transferworkshop im April auf Gut Karlshöhe, beim Transferkongress Wasserstoff von dena und Transferforschung, bei den Fachveranstaltungen des Clusters Erneuerbare Energien Hamburg und zuletzt beim Schweriner Konsortialtreffen, aber auch in den zahlreichen AG-Runden, die wieder physisch oder doch zumindest hybrid stattfanden. Auf diesen Präsenz-Veranstaltungen wird der Spirit unseres Verbunds ganz besonders deutlich – deshalb hoffen wir auch für 2024 auf viele gute Gelegenheiten zum persönlichen Austausch.

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